Diabetes mellitus Typ 2: Es muss nicht immer Insulin sein

Diabetes mellitus ist die Volkskrankheit Nr. 1 in Deutschland. Rund sieben Millionen Menschen sind hierzulande daran erkrankt. Rund 90 Prozent davon sind vom Typ 2 betroffen. „Früher war der Diabetes Typ 2 in erster Linie eine Erkrankung älterer Menschen“, erklärt Prof. Dr. Wolfgang Holtmeier, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Diabetologie und Innere Medizin im Krankenhaus Porz am Rhein. „Deshalb wurde er auch oft als ‘Altersdiabetes’ bezeichnet. Mittlerweile bestehen wichtige Risikofaktoren wie starkes Übergewicht und mangelnde Bewegung häufig aber schon in jüngeren Jahren, weshalb immer öfter auch junge Erwachsene daran erkranken.“ 

Grund für die Entstehung eines Diabetes mellitus Typ 2 ist eine Insulinresistenz, die durch Übergewicht verursacht wird. Das bedeutet, dass die Körperzellen immer weniger auf Insulin ansprechen. Das Hormon kann den Zucker dann nicht mehr in die Zellen schleusen. In der Folge steigt der Blutzuckerspiegel an, obwohl eigentlich genügend eigenes Insulin vorhanden ist. 

Typische Symptome eines Diabetes mellitus Typ 2 sind ein starkes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Antriebsschwäche, Übelkeit und Schwindel. Allerdings beginnt die Krankheit meist schleichend und bleibt deshalb über Jahre hinweg oft unbemerkt. „Das Tückische an einem Typ-2-Diabetes ist, dass er am Anfang häufig keine Beschwerden verursacht oder die unspezifischen Symptome falsch gedeutet werden. Die Erkrankung wird deshalb oft erst sehr spät diagnostiziert – in der Regel acht bis zehn Jahre zu spät“, so Prof. Holtmeier. In dieser Zeit kommt es bereits zu Schäden an den Blutgefäßen, die später zu den gefürchteten Folgeerkrankungen führen. Dazu zählen die Beeinträchtigung des Sehvermögens, aber auch die Schädigung von Nerven und Gefäßen in den Beinen. „Jedes Jahr erblinden 2.000 Menschen in Deutschland neu durch Diabetes und 40.000 Amputationen sind darauf zurückzuführen“, weiß der Experte. „Auch Nieren und Herz geraten in Mitleidenschaft, wenn der Blutzucker nicht richtig eingestellt ist. 30 bis 40 Prozent der Menschen mit Diabetes haben Nierenschäden, jedes Jahr werden rund 2.300 Patienten durch Diabetes neu dialysepflichtig. Und auch das Risiko für einen Schlaganfall steigt um mehr als das doppelte, wenn der Blutzucker nicht rechtzeitig und richtig eingestellt ist.“ 

Zur Behandlung eines Diabetes stehen heute verschiedene Therapiebausteine zur Verfügung. Die bekannteste Behandlungsmethode ist die Gabe von Insulin. „Doch das sollte das letzte Mittel der Wahl sein“, rät der Experte. Vielen Patienten werde zu früh und zu viel Insulin verabreicht. Dadurch werde ein „Teufelskreis“ in Gang gesetzt: Der ohnehin übergewichtige Patient erhält zusätzlich Insulin. Hierdurch kommt es zu einer weiteren Gewichtszunahme, da das Hormon die Fettverbrennung stoppt und den Appetit anregt. Nicht selten nehmen Patienten hierdurch weiter massiv zu, was wiederum die Insulinresistenz verstärkt, so dass noch mehr Insulin gespritzt werden muss, erklärt Prof. Holtmeier. 

Nur durch eine Gewichtsabnahme kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden. Zunächst wird es mit einer Änderung des Lebensstils versucht. „Viel Bewegung und eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung sind das A und O“, so der Experte. Bei 10 bis 20 Prozent der Patienten könne das bereits zum Erfolg führen. Für die übrigen Patienten gebe es wirkungsvolle Medikamente die zu einer Verminderung der Insulinresistenz führen. Nicht selten kann hierdurch selbst nach Jahren das Insulin abgesetzt werden. „Es lässt sich durchaus sagen, dass die Therapie des Typ-2-Diabetes in den letzten Jahren revolutioniert wurde“, so Prof. Holtmeier. 

Welche Behandlung sich für wen eignet, ist jedoch individuell verschieden. Im Krankenhaus Porz am Rhein entscheiden das Arzt und Patient nach einem ausführlichen Gespräch und einer intensiven Untersuchung gemeinsam.

Sylvia Kubera

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